Herbstferien in Österreich und Allerheiligen in Polen: zwei Traditionen, eine besondere Zeit
In Österreich ergibt sich durch die Feiertage – den 26. Oktober, den Nationalfeiertag, und den 1. November – ein Herbstferienfenster, das seit kurzem auch in den österreichischen Schulen als Herbstferien eingeführt wurde. Diese Ferien gibt es in Polen nicht, jedoch beginnt eine besonders besinnliche und familiäre Zeit und für viele Polen ein sehr wichtiges Fest – Allerheiligen (pl. Wszystkich Świętych).
In Polen ist der 1. November, Allerheiligen, ein ganz besonders besinnliches Fest. Man gedenkt seiner Verstorbenen, indem man sich schon Wochen vorher mit der Grabpflege (pl. jechać na groby) beschäftigt, wunderschöne Grabkerzen (pl. znicz) aufstellt, Blumen aufs Grab (pl. grób) bringt und alle seine Bekannten und Verwandten trifft. Nicht nur Allerheiligen, sondern auch Allerseelen (pl. Zaduszki / Dzień Zaduszny) wird gefeiert.
An Universitäten werden extra Rektorstage eingeführt, damit man auch wirklich zu seinen Familien kommen kann.
Einer der schönsten Friedhöfe in Polen ist der Powązki-Friedhof in Warschau – ein Ort, der Erinnern, Gedenken und Kunst verbindet. Der Friedhof wurde ab etwa 1790 angelegt und gilt als einer der ältesten noch aktiven Friedhöfe Warschaus.
Am 1. November – dem Tag der Allerheiligen – bekommt der Friedhof seine vielleicht eindrucksvollste Erscheinung. Kerzenlichter, Grabpflege, Blumen, Stille und Bewegung zugleich. Familien kommen, um Gräber von Verwandten und Freunden zu besuchen, sie zu säubern und mit Blumen und Grablichtern zu schmücken. Der Friedhof wird bei Einbruch der Dämmerung zu einem Meereslicht: Hunderttausende – ja Millionen – kleiner Leuchten zeigen Wege, Gräber, Menschen, Erinnerung.
Das Gedenken geschieht mit Festigkeit, aber auch mit Anteilnahme: Man spricht, trifft sich, geht gemeinsam über die Wege – in einem Rahmen, der für Kinder wie Erwachsene erfahrbar ist.
Besonders bekannt ist die „Aleja Zasłużonych“ (Allee der Verdienten) – hier sind Persönlichkeiten bestattet, die in Kultur, Wissenschaft, Politik oder Kunst Spuren hinterlassen haben. Es gibt Spezialbereiche für militärisch Bestattete, für Soldaten, für Angehörige von historischen Bewegungen, sowie künstlerisch gestaltete Grabmale, Mausoleen und Gedenkstellen. Architektonisch bemerkenswert ist, dass der Friedhof neoklassische Monumente, Secessions-Stile sowie moderne Skulpturen aufweist. Er ist damit nicht nur Gedenkstätte, sondern Kunstraum in Stein und Grün.
Damit wird klar: Hier ruhen nicht nur Angehörige, sondern Menschen, deren Namen polnische Geschichte prägen. Beispiele: Władysław Reymont (Nobelpreisträger für Literatur), die Eltern von Fryderyk Chopin, Justyna und Mikołaj Chopin, sowie Krzysztof Kamil Baczyński, Dichter und Soldat im Krieg, der im militärischen Teil des Friedhofs begraben ist.
Vor den Friedhöfen werden zu Allerheilligen spezielle Süßigkeiten verkauft – zum Beispiel pańska skórka oder miodek turecki.
Selbstverständlich hält auch Halloween immer mehr Einzug in Polen und wird durch Halloween-Partys für Groß und Klein gefeiert. Jedoch konzentrieren sich diese Partys besonders für Kinder eine Woche vorher, da sich die Familien wirklich für Allerheiligen und Allerseelen vorbereiten und meistens zu ihren Familien fahren.
Bilinguales Wien (Dwujęzyczny Wiedeń) wünscht allen Kindern erholsame Ferien, tolle Halloweenpartys und eine besinnliche und liebevolle Zeit mit ihren Familien.
Materialien zu Polnisch als Fremdsprache:
- Podcast über Allerheiligen auf Niveau B1: PDF mit Hörtext und Übungen
- Wortschatz zum Thema Halloween und Allerheiligen (Niveau A2): PDF mit Übersicht
- Interaktives Memory: Wszystkich Świętych Memory-Spiel
- Lied auf Polnisch „Nightmare Before Christmas“ mit Grammatikübungen: Halloween w piosence
- Imperativ im Polnischen und ein Muffinrezept: Muffinki z dyni
- Für die Allerkleinsten: Lied von Krzysztof Gwiazda „To nietoperz“:

